Gast Blog von Jacqueline Haas zum Blog „Naturpark, Alpkäse und Partisanen“

“ … Schafherde … Entsprechend kritisch ist Haltung der Bevölkerung und besonders der Bauern gegenüber diesem Raubtier …“
Hier scheinen Sie leider schlecht informiert. Eine Umfrage vom 30.09.2013 (ganz offiziell vom einem Statistik-Institut) zeigt dass 80% der Bevölkerung für den Wolf ist: http://www.ifop.com/?option=com_publication&type=poll&id=2347
Die Auftraggeber waren zwei Umweltschutzorganisationen (ASPAS und One Voice). Vielleicht ist Ihnen dieses Thema unbekannt? Der Wolf ist total geschützt durch die „Convention de Berne“, die Tiere sind von allein über den Mercantour vom italienischen Argentera nach Frankreich herüber gekommen, Anfangs der 1990er Jahre. Also nicht von „Grünen aus den Städten“ ausgewildert worden. „Etwas“ (abschießen, vergiften, usw.) gegen den Wolf zu unternehmen ist daher illegal.
Natürlich hat die Anwesenheit dieses Raubtier (was positiv für die Natur ist (cf Yellowstone – das brauche ich Ihnen nicht zu sagen) drastisch die Angewohnheiten der Schäfer verändert: In Frankreich war es üblich, riesige Schafherden alleine in den Bergen zu lassen. Das geht nicht mehr, aber viele (nicht alle) Schäfer WOLLEN sich nicht anpassen. Oder eher deren Arbeitsgeber.
Deutschland und Spanien leben viel besser mit ihren Wölfen. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass die Arbeitshunde (die sie ja kennengelernt haben), das nächtliche Sammeln der Herde, der elektrische Zaun und vor allem die Anwesenheit der Schäfer gegen den Wolf sehr effizient sind. Und es ist auch so, dass streunende Hunde viel mehr Schafe töten als die Wölfe.
Außerdem wird eine Entschädigung für getötete Schafe bezahlt (meistens auch wenn nicht sichergestellt ist, dass es der Wolf war). Die Arbeitshunde und die zusätzlich notwendigen Schäfer auch. Das Geld kommt teilweise von der EU (also unsere Steuern), teilweise vom französischen Staat (der sogar Schäferhütten, gratis per Heli in die Berge einfliegt und installiert!). Das ist seitens der Behörden. Die Bauer bekommen auch viele Unterstützung (ehrenamtlich) von den Umweltschutzorganisationen (ASPAS, FERUS).
=> Wirtschaftlicher Aspekt: Statistiken zeigen, dass der Konsum von Schaffleisch zurückgeht. Die gesamte Branche ist seit Jahren ist der Krise und überlebt nur dank Subventionen (wieder EU-Geld).
=> Politischer Aspekt: Der französische Geheimdienst hat in de 1980er-Jahren das Greenpeace-Boot Rainbow-Warrior in Neuseeland gesprengt (Zeit der französischen Atomtests im Pazifik): ein Toter. Um diese Situation zu „bügeln“ hat Frankreich ein Deal mit Neuseeland machen müssen: Schaffleisch für einen sehr günstigen Preis importieren, günstiger als französische Schafe. Für die kleine Geschichte: Der Bruder der Ex-Umweltministerin der Hollande-Regierung (Ségolène Royal) war bei dieser Aktion, als Spion dabei … und diese Dame hat das Abschiessen von Wölfe eingeführt (vierzig pro Jahr) – und sie werden auch geschoßen. Auch das Verjagen von Wölfen aus dem Ecrins-Nationalpark – absolut illegal. Um die Bauern zufriedenzustellen und Wähler zu gewinnen.
Die aktuelle Situation ist explosiv: Beamte die feststellen, dass Schafe vom Wolf (oder nicht) gerrissen worden sind, werden von Bauern tätlich angegriffen. Vor einigen Tagen war Lyon teilweise lahmgelegt von Bauern und ihren Schafherden (Motto: alle Wölfe abschießen …). Im Juli haben Bauern die Verwendung eines „Plüsch-Wolfs“ verboten (Maskottchen des Giro d‘Italia, der dieses Jahr teilweise in der Gegend von Briançon unterwegs war… ). Man muss fast Angst haben, wenn man in dieser Gegend, oder im Queyras, mit einem T-Shirt mit einem Wolf herumspaziert, oder einen Wolf-Kleber auf seinem Auto hat…
Jetzt haben wir einen Umweltaktivisten, Nicolas Hulot, als Umweltminister. In Österreich habt Ihr den ersten Grünen-Präsident eines EU-Landes: Respekt! Frankreich ist sehr, sehr weit davon entfernt. Jäger und Bauern sind sehr eng mit der Politik verbandelt, das ist nicht schön. Ob Macron etwas ändern kann? Hulot hat allerdings für das kommende Jahr bereits das Abschießen von vierzig Wölfen angeordnet. Dabei ist die Wolfspopulation bei uns gefährdet, trotz legalem Schutz … das sagt alles.
Der arme Wolf ist der Sündenbock der Landwirtschaft, die in Frankreich in einer sehr tiefen Krise steckt. Bio ist nicht so verbreitet wie in Österreich und der Schweiz, die meisten Bauern überleben durch 70 Prozent Förderungsmittel (EU).
Ein letztes Wort zu den Hunden: Es sind meistens „berger des Pyrénées“ auch „patou“ genannt. Es sind keine Kuscheltiere, sondern Arbeitstiere, die als Baby mit der Herde gezüchtet werden, und sie gegen alles verteidigen. Jeder, der ihnen beim Wandern zum ersten Mal begegnet, ist sehr überrascht. Es gibt Verhaltensregeln, die den Wandernden auch auf Schildern mitgeteilt werden, z.B. nie mitten durch die Herde gehen, besser einen Bogen machen, und wenn ein Hund kommt, ihn seinen Job machen lassen (er wird Sie riechen, um zu erkennen, ob ein Gefahr für seine Familie (i.e. die Herde) besteht). Mit diesen einfachen Regeln passiert nichts.