Von GrossgrundbesitzerInnen und lärmigen ZeitgenossInnen – von Grosskirchheim auf den Iselsberg

Beim Abschied gestern Abend hat uns Nationalparkdirektor Peter Rupitsch für heute früh auf einen Kaffee ins nigelnagelneue Nationalparkzentrum in Döllach eingeladen. Ohne einen gewissen Stolz zu verbergen, führt er uns durch das schmucke, vor einem Monat eröffnete Plusenergie-Gebäude, welches mit Erdwärme und Sonnenergie versorgt wird. Hier macht es der Nationalpark vor und zeigt, wie ökologisches Bauen in den Alpen aussehen kann. Heute ist die Rezertifzierung des Nationalparks beim Österreichischen Umweltzeichen angesagt, und darum ist Gerold Glantschnig da, der auch nach seiner Pensionierung noch für den Nationalpark tätig ist. Dominik kennt den auch unter dem Übernamen „Kärntner Aussenminister“ bekannten ehemaligen Naturschutz-Beamten aus seiner Zeit bei der CIPRA und bei der Alpenkonvention. Wir berichten kurz, dass whatsalp dem Österreichischen Umweltzeichen bereits im Boutiquehotel in Wien und bei den Ramsauer Bionieren begegnet ist. Dann gibt es noch ein Gruppenfoto mit whatsalp-Transparent und Nationalpark-VertreterInnen und wir machen auf den Weg.

Gleich hinter dem Dorf treffen wir auf den Gartlwasserfall mit seinen historischen Mühlen, die liebevoll rekonstruiert worden sind. Wir lernen den Unterschied zwischen den verschiedenen Mühlentypen kennen: die mit Unterwasser funktionierende Stockmühle und die mit Oberwasser betriebene Radmühle. Weiter geht es nun etwas eintönig auf dem Radweg der Möll entlang das Tal hinunter. Wir hätten auch die weiter oben dem Berghang entlang verlaufende Route des Alpen-Adria-Trail gehen können, der über 750 km vom Grossglockner ans Meer führt, aber diese ist hier doppelt so lang wie der Talweg. Und wir sind um 13 Uhr in Winklern mit Melittag Fitzer, die wir gestern Abend kennen gelernt haben, zum Mittagessen verabredet, und sollten uns darum etwas beeilen. Als wir auf dem Winkler Dorfplatz eintreffen, erwarten uns Melitta und ihr Partner Bernhard bereits im Tauernstüberl. Erhitzt von der heute brennenden Sonne bestellen wir zuerst einmal eine grosse Soda Citro, bevor wir mit unseren neuen Bekannten ins Gespräch kommen.

Melitta erzählt uns mehr über die Geschichte der alteingesessenen Familie, aus der sie stammt. Die Aicher von Aichenegg, ursprünglich aus Deutschland eingewandert, waren vor mehr als 300 Jahren eine Zeitlang das einflussreichste Geschlecht im Mölltal. Sie besassen umfangreiche Ländereien, darunter auch die Gebiete rund um den Grossglockner, die später an den Österreichischen Alpenverein übergingen. Die Aicher von Aichenegg hatten damals auch das Schössl in Döllach erbaut, wo wir gestern Abend zu Gast waren. Der grosse Reichtum sei damals durch die Ausbeutung der einfachen Bauern im Tal zustande gekommen, fügt Bernhard mit leicht kritischer Miene an. Der gesamte Besitz, darunter die zwei Familienwohnsitze in Winklern und das heutige Seminarzentrum auf dem Iselsberg, wurde im 20. Jahrhundert auf mehrere Nachkommen aufgeteilt.

Melitta hat mehrere grosse Grundstücke geerbt, darunter ein über 400 Hektaren grosses Alm- und Waldgebiet hoch über dem Mölltal. Sie und Bernhard berichten uns von der Herausforderung, heutzutage solche Flächen noch kostendeckend zu bewirtschaften. So haben sie auf einer Alm eine Hütte rustikal umgebaut, die nun naturliebende Gäste für ihren Bergurlaub mieten können. Melitta, die längere Zeit als Filmerin in Kalifornien lebte, engagiert sich als Gemeinderätin und sorgt für neuen Wind in der Mölltaler Lokalpolitik. Sozusagen als Dank an ihre Vorfahren hätte sie sich entschieden, der Gemeinde sechs Jahre ihres Lebens zur Verfügung zu stellen, erklärt uns Melitta. Ein Ergebnis dieses Engagements ist das Mölltaler Geschichten Festival, das unter dem Titel „Das lange Tal der Kurzgeschichten“ heuer zum zweiten Mal stattfindet.

Es hätte noch viel zu erzählen und diskutieren gegeben, aber am Himmel ziehen dunkle Wolken auf und wir möchten noch vor dem Gewitter auf dem Iselsberg ankommen. Also brechen wir auf und steigen das kurze Stück zum Pass hoch, vorbei an den erwähnten Besitztümern der Aicher von Aichenegg. Auf dem Iselsberg, begleitet vom Lärm der Pässe-Biker, überschreiten wir zum fünften Mal in Österreich eine Landesgrenze und erreichen die Exklave Osttirol des österreichischen Bundeslandes Tirol. Auf dem Iselsberg werden wir vom ungarischen Wirt im Hotel „Der Mölltaler“ freundlich empfangen. Mit herrlicher Panoramasicht in die Dolomiten realisieren wir beim Bier, dass sich das Hotel auf die Zielgruppe der Motorradfahrer spezialisiert hat, die nun mit ihren grossen Maschinen nach und nach eintreffen. Wir sind darüber nicht besonders erfreut, haben uns doch diese lärmigen ZeitgenossInnen auf unserer bisherigen Wanderung immer wieder stark genervt.

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