UNESCO-Welterbe Mont-Blanc? Treffen mit Pro Mont-Blanc in Courmayeur/Aostatal, 23. August 2017

Heute hat uns Pro Mont-Blanc Präsidentin Barbara Ehringhaus in den Saal der Scuola Elementare nach Courmayeur eingeladen. Pro Mont-Blanc ist eine Dachorganisation von NGOs aus drei Ländern rund um den Mont-Blanc, die sich seit über dreissig Jahren für den Schutz des höchsten Massivs der Alpen einsetzt. Gekommen sind VertreterInnen der Umweltschutzorganisation Legambiente Valle d‘ Aosta, von Mountain Wilderness Italien, der französischen Naturschutzorganisation ASTERS und Fabrizio Roscio, der für die Partei Autonomie – Liberté – Participation – Écologie (ALPE) seit kurzem als Umweltassessor in der Regionalregierung des Valle d’Aosta sitzt.
Wie es in der an der Grenze zu Frankreich zur Schweiz liegenden Region Tradition ist, findet die Diskussion zweisprachig auf Italienisch und Französisch statt. Barbara Ehringhaus führt kurz in die Vorgeschichte ein. Als 1992 die TransALPedes-Gruppe in Courmayeur Station machte, war der Internationale Parc Mont-Blanc aktuell. Pro Mont-Blanc hatte damals diesen grenzüberschreitenden Nationalpark gefordert, der von den Umweltministern Frankreichs, Italiens und der Schweiz unterstützt wurde. Das Projekt scheiterte dann aber am Widerstand der Gemeinden, worauf die beteiligten Körperschaften die unverbindlichere Kooperation Espace Mont-Blanc gründeten. Statt eines Nationalparks wurde Anfang des 21. Jahrhunderts die Idee eines UNESCO-Welterbes aktuell, und Frankreich setzte den Mont-Blanc als gemischtes Welterbe auf die Tentative List der UNESCO. Italien schlug demgenüber ein Weltnaturerbe Mont-Blanc vor.
Auch Denis Buttol, Präsident der Legambiente Val d’Aosta, heisst die „Klimapilger von whatsalp“ willkommen. Er vertritt die grosse italienische Umweltschutzorganisation in der Region, mit Mitgliedern aus dem Aostatal, aber auch von ausserhalb, etwa Feriengästen. Die Legambiente Valle d’Aosta versteht sich als regionale Instanz für den Umweltschutz, der nachhaltige Tourismus und die ökologische Energienutzung sind zentrale Themen. Buttol betont, dass der Einfluss des Klimawandels in dieser Region mit ihren vielen Gletschern und steilen Topographie deutlich erkennbar sei. Sehr sichtbar seien aber auch die Folgen der Investitionen in neue touristische Infrastrukturen, insbesondere die Bergbahnen im Mont-Blanc Gebiet. Weiter unten im Aostatal seien weitere ausgedehnte Liftanlagen geplant, welche mit dem Val d’Ayas eines der letzten nicht verbauten Täler zerstören würden. Legambiente setzt sich gegen neue Skiinfrastrukturen zur Wehr und fordert stattdessen die Förderung eines nachhaltigen Tourismus, welcher zum Beispiel auch für Familien attraktiv ist. Als zweites grosses Thema erwähnt er die Energiproduktion im Aostatal. Obwohl bereits der grösste Teil der Gewässer genutzt sei, bestünden Pläne, die letzten Bäche für die Energieproduktion zu nutzen. Obwohl solche Projekte ökonomisch wenig brächten, würden sie von der EU finanziell unterstützt. Stattdessen erachtet es die Legambiente als sinnvoller, in die Energieeffizienz zu investieren. So werde immer noch ein ansehnlicher Teil der im Aostatal produzierten Energie für die Gebäudeheizungen verwendet.
Umweltassessor Fabrizio Roscio freut sich über die Ankunft der whatsalp-Wanderer in seiner Region, weil ihm der Austausch über Erfahrungen, die andernorts gemacht werden, wichtig sei. Energie und Klimawandel seien für das Aostatal wichtige Themen, darum beteilige sich die Region am Interreg-Projekt „Adapt Montblanc – Anpassung der Raumplanung an den Klimawandel im Espace Mont-Blanc“. Eine Kandidatur des Mont-Blanc für ein UNESCO-Welterbe findet er prüfenswert. Für ihn steht die Kandidatur aber noch nicht, zuerst möchte er die Idee vertieft abklären lassen. Zu klären seien die Vor- und Nachteile einer solchen Nominierung, wobei er durchblicken lässt, dass für ihn die Vorteile (Image, Tourismus) die Nachteile (Schutz, Begrenzung) überwiegen. Roscio betont auch die Bedeutung einer UNESCO-Kandidatur für die gute Zusammenarbeit der drei beteiligten Regionen aus den drei Staaten.
Schlussendlich kommt noch die Situation im Val Ferret zur Sprache, die auch wir gestern erleben konnten: Könnte es im Rahmen eines UNESCO-Welterbes Mont-Blanc zu einer Sperrung des Tals für den überbordenden Individualverkehr kommen? Der Assessor antwortet diplomatisch und gibt zu bedenken, dass ja nicht klar sei, ob das Val Ferret in den UNESCO-Perimeter zu liegen komme. Zudem gebe es für das Val Ferret bereits einen Managementplan, welcher den Einsatz von Bussen und die temporäre Schliessung der Strasse vorsehe. Barbara Ehringhaus fügt allerdings an, dass der Bus nur in der Hochsaison im Sommer fahre und die Strasse höchstens zwei Mal pro Jahr gesperrt würde.
Wir verabschieden uns vom Umweltassessor und von den VertreterInnen der Umweltschutzorganisationen. Nun sind wir gespannt, wie die Diskussion um ein Welterbe Mont-Blanc zwischen Frankreich, Italien und der Schweiz weitergeht – und wie die UNESCO darauf reagieren wird.