Besuch des Hotels Ofenhorn und Treffen mit dem Landschaftspark Binntal in Binn, 11. August 2017

Benno Mutter, Präsident der Genossenschaft Pro Binntal und Denkmalpfleger des Kantons Solothurn empfängt uns im Entrée des Hotel Ofenhorn in Binn. Wir besuchten dieses historische Hotel mit TransALPedes bereits 1992. Damals hatte es nach stürmischen Zeiten – mit Unterstützung von Gemeinde und von vielen Gästen – gerade eine neue Trägerschaft und Statuten nach dem Vorbild des Bündner Hotels Ucliva erhalten. Nun sind wir gespannt, wie sich dieses einzigartige Projekt weiterentwickelt hat.
Benno Mutter macht zuerst einen Ausflug in die Geschichte des 1883 durch den Binner Josef Schmid erbauten Belle Epoque – Hotels. Fast jedes Bergsteigerdorf hätte damals eine solche Tourismusdynastie gehabt, erläutert er. Die damals in den Alpen entstandenen Hotels tragen meist die Namen der Berge, die die Touristen und Bergsteiger angezogen haben.
Wir steigen ins Untergeschoss hinunter und besuchen die ‚Innereien‘ des Hotels. Mutter zeigt uns die moderne Heizanlage und die Versorgungseinrichtungen. Früher habe sich das Personal nur hier unten aufhalten dürfen, die oberen Etagen seien ausschliesslich für die ausländischen Gäste reserviert gewesen. Waren es damals fast nur Gäste aus dem Ausland gewesen, seien nach dem Ersten Weltkrieg nach und nach vermehrt Schweizer Gäste ins Hotel gekommen.
Nachher sehen wir uns die schlicht-schönen Gästezimmer in den oberen Etagen an, die in den vergangenen Jahren liebevoll renoviert worden sind. Zwei Zimmer mussten einem komfortablen Badezimmer Platz machen. Im Speisesaal, dem Prunkstück des Hotels, erklärt uns Mutter, wie schwierig es gewesen sei, die historische Tapete fachgerecht zu erneuern. Die Erhaltung und Erneuerung der historischen Substanz stelle insgesamt eine grosse Herausforderung dar. Die dafür notwendigen Finanzen könnten nicht aus dem laufenden Betrieb gedeckt werden und die Genossenschaft sei immer wieder auf Geldsuche.

Im zweiten Teil der Zusammenkunft präsentiert uns Geschäftsführerin Dominique Weissen den Landschaftspark Binntal. Dieser wurde vor fünf Jahren als einer der ersten neuen Regionalen Naturpärke der Schweiz gegründet. Dominique erinnert uns daran, dass es 1992 in der Schweiz noch keine Naturpärke gegeben hat, heute seien es deren 15.
Das Binntal sei für einen Naturpark prädestiniert, gäbe es doch hier dank dem Schutzvertrag keinen Stausee, keine Hochspannungsleitung, kein Skigebiet und keine Zweitwohnungen, sagt Dominique. Der Schutzvertrag zwischen Gemeinde, Schweizer Alpenclub und Naturschutzbund sei 1964 abgeschlossen worden. 1977 sei das Binntal dann ins BLN-Schutzinventar des Bundes aufgenommen worden. Nach einem Pilotprojekt, aus dem der Name ‚Landschaftspark‘ hervorgegangen sei, hätte der neue Park in der Gemeindeabstimmung eine fast hundertprozentige Zustimmung erhalten.
Die Geschäftsführerin führt weiter aus, dass 2012 die zehnjährige Betriebsphase startete. Am Park beteiligt seien sechs Gemeinden mit einer Fläche von gesamthaft 181 qkm, 1279 EinwohnerInnen und 461 Arbeitsplätzen. Darunter sei auch Bister als kleinste Walliser Gemeinde mit lediglich 33 EinwohnerInnen, der Gemeindepräsident sei dort auch gleich der Gemeindearbeiter. Als Spezialitäten des Landschaftsparks sieht sie unter anderem die acht geschützten Ortskerne, die Grengiolser Tulpen, und die enge Zusammenarbeit mit dem benachbarten Naturpark Alpe Veglio – Devero in Italien.
Aktuelle Projekte betrafen und betreffen die Sanierung der historischen Twingistrasse nach Binn, die Erneuerung der alten Wasserleiten und Trockenmauern, der Rundweg „Tulpenring Grengiols“ und die Sanierung alter Alphütten. Im Dorfkern von Grengiols bestehe ein Projekt für ein dezentrales Hotel (zentrale Bewirtschaftung von dezentralen Hotelzimmern), in der Twingischlucht finde jedes Jahr ein Kunstprojekt mit 10’000 BesucherInnen statt, die nachhaltige Mobilität werde mit dem Bus alpin gefördert.
Andreas Weissen, der als Projektleiter für den Landschaftspark tätig ist fügt an, dass die Sanierung des Hotels Ofenhorn (dessen Trägerschaft er vor Benno Mutter präsidierte) ohne den Landschaftspark nicht möglich gewesen wäre. Im Landschaftspark seien des Weiteren fünf neue Gastbetriebe entstanden, darunter sein eigener in Heiligkreuz, und die Einwohnerzahl von Binn habe wieder zugenommen.
Im Anschluss an die Präsentation serviert uns Wirtin Regula Hüppi im Speisesaal einen vom Landschaftspark spendierten Apéro, bevor wir zur Tafel gebeten werden.