Pressefrühstück mit Naturparkspezialitäten am 16. Juni bei der Stiegenwirtin in Palfau

Franz Handler, Geschäftsführer des Verbandes der Naturparke Österreich, wandert bereits seit Mariazell bei der whatsalp-Wandergruppe mit. Gemeinsam mit dem Naturpark Steirische Eisenwurzen lädt er heute Vormittag zum Pressefrühstück bei der Stiegenwirtin in Palfau ein. Es ist allerdings gerade einmal ein einzelner Journalist, der bei morgendlichem Gewitterregen den weiten Weg aus der Bezirkshauptstadt Liezen unter die Räder nimmt. Die Landesmetropole Graz ist noch weiter weg, sodass die dort angesiedelten Landesmedien die Informationen telefonisch einholen. Dafür ist das Gespräch, an dem sich der Redaktor der Liezener Bezirksnachrichten interessiert beteiligt, umso spannender. Mit dabei sind Bernhard Moser, SPÖ-Bürgermeister der Gemeinde Landl, Bibiana Heigl, Obfrau des Tourismusverbandes Wildalpen, Eva Maria Vorwagner vom Naturpark Steirische Eisenwurzen, Ziegenbäuerin Gundula Milwisch aus Mooslandl, die Palfauer Stiegenwirtin Dagmar Zwettler sowie Marelli Asamer-Handler und Louise Ortner vom Verband der Naturparke.

Seit dem Besuch von TransALPedes vor 25 Jahren haben sich die Naturparke in Österreich und in der Steiermark stark weiterentwickelt, betont Franz Handler. Heute umfassen 48 Naturparke eine Fläche von über 5000 qkm, das sind 6 Prozent der Fläche Österreichs. In Europa gibt es rund 900 Naturparke mit einer Fläche von der Grösse Polens. Nächste Woche unterschreiben in Brüssel Vertreterinnen und Vertreter aus zwanzig europäischen Staaten eine Deklaration zur stärkeren Verankerung der Naturparke in der europäischen Politik. Ein Beispiel für einen funktionierenden Naturpark sind die Steirischen Eisenwurzen, wie Eva Maria Vorwagner vom Naturpark erläutert. Dieser umfasst mit den Gemeinden Landl, St.Gallen, Wildalpen und Altenmarkt nicht weniger als 586 qkm und 6100 Einwohner. Im Naturpark-Shop in St.Gallen an der Enns seien Gäste immer willkommen, ein direkter Austausch zwischen ProduzentInnen und KonsumentInnen ist erwünscht, betont Vorwagner.

Die Naturparke stehen für ein neues Modell der ländlichen Entwicklung insbesondere in strukturschwachen Randregionen und verbinden wirtschaftliche, gesellschaftliche und ökologische Aspekte. In Österreich bedeutet dies das gleichrangige Miteinander von Schutz, Erholung, Bildung und Regionalentwicklung. Ein Beispiel dafür ist das Projekt „Naturpark-Spezialitäten“, in welchem die österreichischen Naturparke mit rund 170 Naturpark-Partnerbetrieben zusammenarbeiten. Die für das heutige Pressefrühstück vorbereiteten kulinarischen Köstlichkeiten zeugen davon. Auf dem Frühstücksbuffet stehen für uns unter anderem selbstgebackenes Bauernbrot, Bio-Ziegencamenbert, Ziegen-Topfenaufstrich, Pastete vom Gseiser Edelwild, Punkerl, Würstel und Salami vom Hirsch sowie Obstsäfte und Most aus der Region bereit.

Dass der Naturpark mit seinen Projekten einen wichtigen Beitrag für die Region leistet, bestätigen Ziegenbäuerin Gundula Milwisch und Stiegenwirtin Dagmar Zwettler. Milwisch betreibt einen Ziegenbetrieb und setzt dabei erfolgreich auf Eigenherstellung und Direktvermarktung. Ihre Abnehmer sind Bioläden und Gastwirtschaftsbetriebe, darunter der Stiegenwirt in Palfau. Dagmar Zwettler führt das Gasthaus seit zwölf Jahren, in das heute im Sommer achtzig Prozent der Gäste für das Rafting und Kajaking auf der nahen Salza kommen. Diese schätzen es sehr, dass hier wenn immer möglich Spezialitäten aus der Region aufgetischt werden. Und Zwettler betont, dass die Zusammenarbeit mit lokalen und regionalen LandwirtInnen ausgezeichnet funktioniert.

Dabei ist die Ausgangslage im Grenzgebiet zwischen der Steiermark und Niederösterreich keines andere als einfach. Bürgermeister Bernhard Landl ist zwar froh, dass die Fusion von vier Kleingemeinden zur Gemeinde Landl gut über die Bühne ging. Aber er weist darauf hin, dass die letzten Jahrzehnte hier von starker Abwanderung geprägt waren und dass bis ins Jahr 2030 mit einem Bevölkerungsminus von weiteren 25 Prozent gerechnet werden muss. Ein Hoffnungsschimmer bildet für ihn immerhin das „Erfolgsmodell Salza“, welches nach Jahren des Stillstands wieder neue Dynamik in den Tourismus gebracht hat. Dabei handle es sich um eine sehr sinnvolle Tourismusform, die in der Umwelt keinen Schaden anrichte. Heute lebten 13 Betriebe ganz oder teilweise vom Natursport auf der Salza, erwähnt Bibiane Heigl vom Tourismusverband der nahe gelegenen Gemeinde Wildalpen. Und im Vergleich zu den Kajak-Pionieren der 1980er Jahre habe sich Gästeschicht vollkommen verändert, die Ansprüche seien gestiegen und die Wassersportler seien zahlungskräftige, gern gesehene Gäste.

Die Gespräche ziehen sich länger dahin und der Journalist aus Liezen fragt nach, ob die Pressekonferenz denn nun zu Ende sei. Als er auf seine Frage keine Antwort erhält, bleibt auch er noch sitzen und plaudert mit uns bei einem Glas Apfel-Frizzante aus dem Naturpark weiter.

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