Mit Dorfkernerneuerung Energie sparen – Dorfrundgang mit Patrizia Imhof, Ulrich Weger, Thomas Aufdereggen und Christa Mutter in Münster, 10. August 2017

Am frühen Abend begrüssen uns Patrizia Imhof von der energieregionGoms, der Unternehmer und Alt-Gemeinderat Ulrich Weger, der Energieberater Thomas Aufdereggen und die Journalistin und SES-Beirätin Christa Mutter auf dem Dorfplatz von Münster. Die Region Goms tritt mit dem Ziel an, die erste Energieregion der Schweizer Alpen zu werden. Dazu strebt sie die nachhaltige, dezentrale und lokale Energiegewinnung an. Es geht der energieregionGOMS aber nicht nur um Energieautarkie, sondern um einen möglichst nachhaltigen Umgang mit der Energieversorgung und einen Austausch über die Region hinaus. Seit zehn Jahren werden vielfältige Projekte entwickelt, welche die Energiegewinnung vor Ort fördern und die Energieeffizienz verbessern. Das Vorhaben soll als Modell für andere Bergregionen im In- und Ausland dienen.
Heute geht es um die Kombination der Themen erneuerbare Energie und Zweitwohnungsinitiative. Patrizia Imhof erläutert, dass sich viele Dorfkerne zusehends entvölkern. Der Zustand von manchen alten Gebäuden sei nicht mehr zeitgemäss, und Sanierungen seien umständlich und teuer. Der Sanierungsbedarf staue sich auf und Bauruinen prägten immer häufiger das Ortsbild. Ein wichtiges Element der Walliser Kultur drohe somit zu zerfallen. Dabei wäre der Dorfkern nicht nur für die Bevölkerung bedeutend, auch der Tourismus sei auf die Einzigartigkeit der historischen Dorfkerne dringend angewiesen. Aufgrund dieser Problematik seien in den vergangenen Jahren mehrere Projekte initiiert worden mit dem Ziel, einen umsetzbaren Lösungsansatz zu implementieren.
Ulrich Weger ergänzt, dass die Sanierung von alten Gebäuden, zum Beispiel mit modernen Heizungen, für die Hausbesitzer oft eine Herausforderung darstellt. Hier biete die energieregionGoms Hilfestellung an. Statt den früher verbreiteten und heute verbotenen Elektroheizungen würden jetzt oft wieder traditionelle Specksteinöfen eingebaut. Doch die Vorgaben der Denkmalpflege in Dörfern wie Münster würden die Möglichkeiten einschränken, zeitgemässen Wohnraum zu schaffen. Die Ehre, im nationalen ISOS-Inventar aufgeführt zu sein, bedeute eben nicht nur Würde, sondern auch Bürde. Das neue Zweitwohnungsgesetz erlaube nun aber Gemeinden, die ein Inventar über ihre Bauten erstellen, ortsbildprägende Gebäude zu erhalten. Münster habe als eine der ersten Gemeinden im Wallis solches Inventar erstellt. Gemäss diesem Inventar besitzen drei Viertel der Bauten in Münster einen ortsbildprägenden Charakter und können laut Weger unter Berücksichtigung denkmalpflegerischer Auflagen für die Wohn- und Feriennutzung erneuert werden.
Christa Mutter konstatiert abschliessend, dass es für die Schweiz modellhaft sei, wie die Region Goms mit ihrer „Energieraumplanung“ Energie und Ortsbildschutz übergreifend angehe. Im Rahmen der Energiewende sollte das Modell Goms vermehrt in anderen Berggebieten Schule machen.