Gelobt sei der öV – Gastblog von Regula Bücheler

Ma per l’amore da Dio, non in Italia ni in Francia, niente di lodo! Hingegen darf der öffentliche Verkehr in den ländlichen Gebieten der deutschsprachigen Alpenländern gelobt werden. Besonders in der Schweiz ist dieser im Vergleich mit den Verhältnissen in Frankreich und Italien wirklich grossartig. Benutzen wir ihn immer oder mindestens rege, um in die Täler, in die Bergferienorte und abgelegenen Dörfer zu gelangen – damit erhalten wir den öV! Dreimal bin ich während meiner whatsalp-Etappe zwischen Courmayeur und Bonneval sur Arc verloren sitzen gelassen worden – und dies nicht etwa in den hintersten Winkeln der Savoyer Alpen, sondern während meiner Anreise in Chamonix, während meiner Abreise in Bonneval und tatsächlich auch im infrastrukturell hoch aufgerüsteten Ort Val d’Isère! In Chamonix fährt der letzte Bus durch den Mont Blanc Tunnel nach Courmayeur bereits um 18 Uhr ab, während die Tausenden Autos Tag und Nacht, unablässig durchrauschen. Die ähnliche Enttäuschung und Wut packte mich wieder in Val d’Isère, wo ich vom einen zum anderen Ende des sehr langgezogenen Strassendorfes den Lokalbus besteigen wollte, um „schnell“ in der Farmacie Fusspflaster zu kaufen. Unmöglich, die kurze Sommersaison war tags zuvor (27. August) schon zu Ende gegangen und damit der Ortsbusbetrieb komplett eingestellt worden. Und schlussendlich dieselbe Misère in der Maurienne: keine Chance, mit dem öV von Bonneval – ein gutes Beispiel für sanften Tourismus – nach Modane zu gelangen. Modane ist immerhin eine kleine Stadt und wichtiger Verkehrsknotenpunkt für Schiene und Strasse in den Alpen (Mont Cenis-Route). Was ist ohne öV zu tun? Durch Val d’Isère konnte ich gut zu Fuss gehen und dabei die Boutiquen, die Schaufenster der Sportgeschäfte und die relativ bescheidene Kundschaft in den Cafés und Bars beobachten und bedenken. Ich begann mir Gedanken über das Leben alter oder behinderter Menschen in den Tourismusstationen zu machen. Wie bewegen sie sich, wo machen sie ihre Alltagseinkäufe? Wie gehen die Kinder zur Schule? Ja, wo sind sie überhaupt, die alten und die wenig mobilen Menschen, die Kinder und Jugendlichen? Sie alle sind nirgends zu sehe und zu treffen! In Bonneval bestellte ich ein Taxi, um nach Modane zum Bahnhof zu gelangen. Ich nahm mir nicht mehr die Mühe herauszufinden, ob während der Schulzeit ein Schulbus fahren würde – hoffentlich, wahrscheinlich schon. In Chamonix, als Auftakt meines grossartigen whatsalp-Erlebnisses, hatte ich am Bahnhof Autostopp gemacht. Nach wenigen Minuten konnte ich einen PW besteigen und beteiligte mich an der Tunnelgebühr, irgendwie doch erfreut über die Mitfahrgelegenheit. Es sind Massen von Tagestouristen, die „schnell“ nach Chamonix fahren, um den Mont Blanc von der französischen Seite zu sehen. Im Mont Blanc Tunnel hatte ich im kleinen PW Angst, von den Riesenlastwagen erdrückt zu werden. Was wäre, wenn die Tunnelgebühr, den Umweltimmissionen gemäss, erhöht würde, zum Beispiel von aktuell 15.- € auf 45.- €?