Es sei mir gestattet, hier etwas Persönliches zu erzählen – Blog von Gerhard Stürzlinger


Ich war also schon 1992 Mitglied der Kerngruppe von TransALPedes. Am 3. Tag beim steilen Abstieg von einem bewaldeten Berg blieb ich mit meinen Wanderstöcken an einer Wurzel hängen. Ich bin zum ersten Mal in meinem Leben mit Stöcken gewandert, das erklärt vielleicht mein Missgeschick. Zunehmende Fußschmerzen in den folgenden Tagen wurden dann im Krankenhaus Mariazell als Sehneneinriss diagnostiziert. Daher musste ich einige Tage pausieren, konnte dann aber wieder voll mitwandern.
Ich hatte, zur Freude meiner Frau, in 4 Monaten TransALPedes 14 kg abgenommen und eine tolle Kondition aufgebaut. Das wollte ich mir erhalten, und setze mit intensiven Lauf- und Wandertätigkeiten fort. Da bekam ich aber Schmerzen in der Hüfte, die bis in die Beine hinunter ausstrahlten. Das war ein Warnzeichen. Ein Orthopäde stellte nach umfangreichen Untersuchungen fest: ich sei halt schon etwas alt (knapp 50) und etwas verbraucht; mit diesen Schmerzen müsse ich leben! Das war nicht in meinem Sinn und ich suchte einen guten Physiotherapeuten auf. Zehn Termine später, eine Übung, die ich bis heute immer wieder mache – und siehe da, der Schmerz war weg und ich bin seither mehrere Male durch die Ostalpen gewandert (siehe meine Wanderbücher) und habe die südlichen Westalpen intensiv zu Fuß durchforscht. So habe ich für mich die Physiotherapie entdeckt. Ich darf noch hinzufügen, dass eine meiner drei Töchter Physiotherapeutin wurde.
Etwa 10 Jahre später meldete sich zum ersten Mal meine Wirbelsäule. Ein unangenehmes Kribbeln in der linken Hand kündigte ein Problem in der Halswirbelsäule an. Diesmal suchte ich sofort Hilfe in der Physiotherapie. Dabei musste ich aber feststellen, dass es sehr unterschiedliche TherapeutInnen gibt und es dauerte Jahre bis ich in Innsbruck eine Therapeutin fand, die mich – und auch meine Frau – seither in bester Art betreut.
Mehrere Touren mit Zelt in den südlichen Westalpen waren für mich eine große Freude, da ich mir die Tage sehr individuell einteilen konnte, und wunderbare Übernachtungsplätze finden konnte. Die bisher letzte Tour dieser Art führte mich 2014 von Bardoneccia bis zum Col de Larche also etwas westlicher als wir bei Whatsalp gewandert sind. Bei dieser Tour habe ich mir, wahrscheinlich gleich am ersten Tag, eine Schultersehne eingerissen, wie es nachher in Innsbruck konstatiert wurde. Ich hatte meinen knapp 20 kg schweren Rucksack etwas zu sorglos auf die Schulter genommen. Und wiederum war meine Therapeutin zur Stelle und konnte mir helfen, allerdings mache ich seither nur mehr Tagestouren mit leichtem Rucksack.
Im Frühjahr 2016 bemerkt ich eines Tages beim Aufstehen in der Früh, dass ich leicht hinke und rechts deutlich eine Bewegungshemmung habe. Also wieder zum Arzt, Röntgen und MRT: Die Diagnose ergab einen leichten Bandscheibenvorfall! Also wieder zur Therapeutin und diesmal wurde ich zum Therapiewandern mit Stöcken verurteilt. Langsam, mit liebevoller Unterstützung meiner Frau ging es bergauf. Wir haben dann für zwei Wochen eine Ferienhütte am Col de Turini gemietet, da ich dort genug gemütliche Wege, Militär- und Forststraßen, kannte, die für mein Therapiewandern geeignet waren. Auf der Rückfahrt durch die französischen Alpen, passierten wir auch den Col de la Lombarde. Wie so oft habe ich hier meiner Frau von Transalpedes und unseren Erlebnissen vorgeschwärmt. Da meinte Gudrun, dass es doch an der Zeit wäre, wenn noch einmal etwas Ähnliches gemacht werden könnte; zumindest sollten Tafeln aufgestellt werden „Here was Transalpedes“.
Unsere Überraschung und Freude war dann natürlich besonders groß, als wir bei unserer Ankunft zu Hause einen Brief von Dominik vorfanden, der darin ankündigte, dass 2017 tatsächlich TransALPedes in Form von einer etwas milderen „Whatsalp“ wiederholt werden soll – 25 Jahre danach. Zu diesem Zeitpunkt, immer noch mit Stöcken therepiewandernd konnte ich überhaupt nichts versprechen.
Im Laufe des Herbstes und des milden Winters ging es mir aber immer besser. Die Stöcke ließ ich bald wieder zu Hause und 1000 Höhenmeter rauf und runter waren auch wieder möglich. Ich wusste aber nicht ob, ich das auch eine Woche lang durchhalten würde.
So kam es zum Start Anfang Juni in Wien – und siehe da, ich hab die erste Woche ohne Problem durchgehalten. Dominik und Harry haben mich daraufhin aufgefordert, wieder Mitglied der Kerngruppe zu werden. Das hat mich sehr gefreut und so wurde ich Mitglied „honoris causa“ und „senior member“.
Inzwischen und wenn ich meine letzte geplante Teilstrecke bis Nizza durchhalte werde ich 550 km gewandert sein. Dass ich das mit meinen 73 Jahren und mit dieser Vorgeschichte noch schaffe – das freut mich ganz besonders. Ich bedanke mich bei meiner Physiotherapeutin aber auch bei meiner Frau Gudrun, ohne deren Hilfe ich das nicht geschafft hätte.