Grossglocker Hochalpenstrasse, Gipfeltreffen auf der Franz-Josephs-Höhe am 4. Juli

Am 31. Juli 1992 traf sich TransALPedes auf der Kaiser-Franz-Josephs-Höhe mit Karl Gollegger, dem damaligen Direktor der Grossglockner Hochalpenstrasse AG (GROHAG). Thema war damals die geplante Schliessung der Strasse auf die Franz-Josefs-Höhe, die mitten im Nationalpark Hohe Tauern liegt, und die Einführung eines Systems von gasbetriebenen Panoramabussen. Wir wollten wissen, wie sich die damaligen Pläne weiter entwickelt haben. Gemeinsam mit Hannes Augustin, Geschäftsführer des Salzburger Naturschutzbundes, hat Harry Johannes Hörl, den heutigen Direktor der GROHAG, um einen Ortstermin gebeten.

Der Direktor begrüsst uns freundlich auf der Terrasse vor dem Parkhaus, am gleichen Ort wie damals. Den Fotografen hat er gleich mitgebracht und wir posieren zuerst mit unserem Transparent vor der Kulisse des Grossglockners. Dann erfahren wir, dass die BesucherInnenzahl auf der Franz-Josephs-Höhe seit 1992 von 1,3 Mio. auf 850‘000 zurückgegangen ist – das sind immer noch rund 160‘000 Autos pro Jahr. Hinzu kommt eine steigende Zahl von Motorrädern. Ein wesentlicher Grund für den Rückgang der Frequenz ist auf die Abnahme der Busreisen. Für eine Fahrt über die Grossglockner Hochalpenstrasse ist eine Maut von 35.50 Euro zu entrichten. Um eine bessere Auslastung der Autos zu erreichen, wird heute ein fahrzeugbezogener Tarif berechnet.

Die GROHAG ist eine vom Bund und von den Bundesländern Kärnten und Salzburg getragene, gewinnorientierte Aktiengesellschaft. In der Hauptsaison beschäftigt sie über hundert Personen und ist damit in diesen Randregionen ein wichtiger Arbeitgeber. Ihre Aufgaben sind vielfältig, von der Absicherung der durch das Hochgebirge führenden Strasse über das Verkehrsmanagement bis zur Besucherinformation und zum Umweltschutz. Tatsächlich ist die Natur- und Kulturvermittlung für die GROHAG heute ein wichtiges Thema, auf der Franz-Josephs-Höhe stehen dazu den Gästen mehrere attraktive Ausstellungen offen. Gerade übermorgen wird die Ausstellung „Gletscher. Leben“ eröffnet, die in Zusammenarbeit mit dem Nationalpark und dem Alpenverein entstanden ist. Bei unserem Besuch fällt uns auf, dass sich die Pasterze im Vergleich zu 1992 um mehrere hundert Meter zurückgezogen hat und ihre Zunge nun nicht mehr unter uns, sondern weit hinten im Tal liegt.

Gerhard fasst die von Direktor Gollegger 1992 vorgestellten Pläne zusammen und blickt auf das Gelände um uns herum. Nach wie vor dominierten die lärmige ein mehrstöckiges Parkhaus die Landschaft über dem Pasterzen-Gletscher und der Parkplatz sei mit Motorrädern vollgestellt. Hörl nimmt seinen Vorvorgänger Gollegger in Schutz und erklärt, dass dessen Pläne eben nicht realistisch gewesen seien und deshalb vom Bund abgelehnt wurden. Man hatte Bedenken, dass aus der heute selbsttragenden GROHAG ein Zuschussbetrieb entstehen würde, welcher die öffentliche Hand hätte subventionieren müssen. Dennoch nehme man das Thema Umweltschutz sehr ernst und bemühe sich zu tun, was möglich sei. Hannes Augustin vom Naturschutzbund bestätigt diese Bemühungen und weist auf Naturschutzprojekte entlang der Hochalpenstrasse hin, die in den letzten Jahren gemeinsam realisiert worden seien. Auch die E-Mobilität werde laut Direktor Hörl forciert, Elektroautos bezahlten eine reduzierte Maut und könnten ihre Batterien gratis aufladen; zur Deckung des Strombedarfs sei auf dem Parkhaus eine grosse Photovoltaik-Anlage installiert worden.

Die Grossglocker Hochalpenstrasse und damit auch die Franz-Josephs-Höhe mit ihrem monumentalen Parkhaus stehen seit 2015 unter Denkmalschutz. Die Strasse gilt als bedeutendes und für die alpine Verkehrsgeschichte herausragendes technisches Denkmal. Direktor Hörl erwähnt den in aufwändiger Arbeit zusammen mit Fachleuten entwickelten 25-seitigen Pflegeplan, der den künftigen Umgang mit der Strasse und ihren Bauten detailliert regelt. Auf einem Foto der GROHAG erkennen wir neben Politkern und Direktor Hörl auch unsere frühere Studienkollegin Mechtild Rössler, die heute als Direktorin des Welterbezentrums in Paris amtet. Das hat seinen Grund, denn vor einem Jahr setzte die Republik Österreich das Bauwerk auf die Vorschlagsliste zum UNESCO-Welterbe. Angestrebt wird eine Eintragung als UNESCO-Weltkulturerbe bis Sommer 2018. Das umfangreiche Gesuch wird gegenwärtig von den ExpertInnen der UNESCO geprüft.


 

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