Mit whatsalp durch den Park der Verbote und der alten Menschen – Gastblog von Luana Borner

Schwer beladen stiess ich am Sonntag Abend, 30. Juni in Splügen auf die whatsalp Truppe. Meine Rucksäcke (einer vorne, einer hinten) boten etwas für alle Eventualitäten. Es sollte sich zeigen, dass nichts umsonst mitgeschleppt wurde.
Voller Vorfreude besammelten wir uns am Montagmorgen vor dem Bodenhaus in Splügen.
Das erste Teilstück führte uns nach Nufenen. Trotz beträchtlichem Anstieg von Nufenen ins Herz des gescheiterten Nationalparkprojektes Parc Adula kam es zwischen den Wanderern zu regem Gedankenaustausch. Uns beschäftigte die Realität vom Leben im Alpenraum und nicht zuletzt, warum das Projekt Parc Adula abgelehnt wurde.
Der Parc Adula war uns während all den Tagen ein treuer Begleiter in zahlreichen Gesprächen.
Man kann von diesem Projekt und seiner Umsetzung ja halten was man will, aber Spuren hat der Parc Adula hinterlassen. Mit dem Park ist es ein bisschen wie mit whatsalp: Sie haben neue Möglichkeiten eröffnet, Gedanken ausgetauscht und Menschen zusammengebracht, die sich sonst nicht getroffen hätten.
El Ritschi versüsste uns die Mittagspause mit Gitarrenklängen und Liedern, die von Alphütten und den Farben der Sehnsucht erzählten. Das nächste Ziel war ein Apéro am Valserberg „Uf dr Matta“, organisiert vom Kulturverein Vals. Kurz vor diesem Etappenziel kamen wir an der mineralreichsten Valserquelle vorbei. Selbstverständlich liessen wir die Hüllen fallen und gönnten uns eine Erfrischung. Alteingesessene whatsalpler staunten nicht schlecht über Luxusgüter wie Frottier-Badetuch im Rucksack…
Rita und ihre Freunde vom Valser Kulturverein begrüssten uns herzlich zum feinen Apéro. Uns wurden die feinsten Käse aufgetischt! Zugegebenermassen half der Weisswein zwar beim Tanzen zu El Ritschis zweiten Konzert an diesem Tag, nur der Abstieg nach Vals runter, war in angesäuseltem Zustand eine echte Herausforderung.
Lebhaft und mit Herzblut erzählten uns die Mitglieder der Kulturstiftung über die bewegte Geschichte von Vals. Dieses Bergdorf ist aussergewöhnlich im Schweizer Vergleich. Das periphere Dorf verdankt seinen Termen einen wahren wirtschaftlichen Aufschwung. Doch gerade diese Terme spaltete das Dorf in den vergangenen Jahren. . .
Am Ende des Tages konnte die ganze whatsalp Gruppe mit Sicherheit eines: Vals richtig aussprechen. Es heisst Vals nicht Wals (Wie Vater nicht Water)!
Der 1. August war unser „Ruhetag“. Das kam uns äusserst entgegen bei dem Frühstücksbüfett. Ein auserwähltes Grüppchen der whatsalp Gruppe dehnte die angekratzten Muskeln und Bänder von der strapaziösen Wanderung. Eigens für diesen Anlass befanden sich in meinen Rucksäcken Gymnastik Trikots…
Die offizielle 1. August Feier fand auf dem Dorfplatz in Vals statt. Whatsalp war Gast am Tisch der Kulturstiftung. Obschon man den Valsern bei dieser Feier die angespannte Lage nicht anmerkte, könnte man die Tatsache, dass whatsalp nicht von der Gemeinde offiziell empfangen wurde, als Zeichen der angespannten Lage deuten.
Am 2. August verliessen wir nach den 1. August Feierlichkeiten und viel zu wenig Zeit beim Frühstücksbuffet Vals in Richtung Zervreilastausee. Auch an diesem Tag boten sich genügend Möglichkeiten heikler Themen, bei denen sich die Gemüter scheiden konnten. Mit einer SAC Sektion ging es gemeinsam zur Länta-Hütte. Dort fand dann das Gipfeltreffen vor der Hütte mit Vertretern aus den Bereichen Tourismus, Alpensport, Hüttenwart und whatsalp statt. Es wurde viel diskutiert zu Themen wie dem vorgesehenen Weggebot des gescheiterten Nationalparkes Adula, die Entwicklung des alpinen Sportes und dem ebenfalls gescheiterten weiteren Stausee in Vals. Die einzelnen whatsalp Mitwanderer waren nicht immer einer Meinung mit den Diskussionspartnern, die wir entlang der Route trafen.
Doch verbindet uns wohl eines: Die Liebe zur Natur.
Besonders bewegt hat mich die Begegnung mit Adrian Vieli. Er war ehemaliger Geschäftsführer von VisitVals und engagiert sich in der Regional- und Tourismusentwicklung von Vals. Wir waren schnell Verbündete in Angelegenheiten Parc Adula und ich frage mich noch immer, ob vielleicht alles ganz anders gekommen wäre, wenn wir uns ein paar Jahre früher begegnet wären.
Die Länta-Hütte hat nicht nur einen tollen Pool und Hängematte, sondern auch einen sehr sympathischen Hüttenwart.
Beim Apéro mit dem SAC wurde engagiert weiter diskutiert, über Gott und den Parc Adula… Der flotte Hüttenwart Thomas Meier verfügt über ein enormes Wissen seines Lebensraumes und seine Liebe für die Länta-Hütte scheint sein stärkster Antrieb.
Der Hüttenwart bereitete mit seinen noch unerfahrenen Gehilfen (die Flachlandindianer waren erst den zweiten Tag auf der Hütte), ein köstliches Abendessen zu (wir vermuten, einer der Köche war schwer verliebt…).
Zum Abschluss meines letzten Abends mit whatsalp tanzte ich im Abendkleid zu live Musik de Tessiner Wandersektion.
Mein Fazit dieser vier unvergesslichen Tage mit whatsalp: Tolle Menschen, spannender Austausch und es gibt wohl keine sinnvollere Fortsetzung zum gescheiterten Parc Adula Projekt aber einen würdigen Abschluss.
Ich danke euch allen für die schönen Stunden.