whatsup bei whatsalp – Gastbeitrag von Sebastian Nussbaumer, whatsalp youth

In Bruneck im Südtirol sind wir, 15 Jugendliche aus Slowenien, Österreich, Deutschland, dem Fürstentum Liechtenstein, Italien und Frankreich, zur whatsalp Gruppe gestossen. Von Sonntag bis Mittwoch schliessen wir uns Dominik und Harry auf ihrer Wanderung an.
Schon vor dem Nachtessen wird trotz schwülem Wetter, etwas Müdigkeit nach teils langen Zufgahrten und langsam aufkommendem Hunger bereits diskutiert und erzählt. Die Auffassung darüber, was das „Hauptproblem“ der Alpen sei, unterscheidet sich nicht nur zwischen den Herkunftsländern, sondern auch zwischen jedem einzelnen Teilnehmer. Doch sei es Abwanderung, Klimawandel oder Wintertourismus, bald wird klar, dass eigentlich alles zusammenhängt und alles ineinander übergreift. Es sind überall vielschichtige Probleme zu erkennen, doch aus allen Ecken der Alpen gibt es unterschiedliche Umgangsarten mit diesen, so wie auch unterschiedliche Zukunftsperspektiven und kreative Lösungsansätze.
Nach dem Nachtessen teilen wir uns in Gruppen auf: Klimawandel, Leben in den Alpen, Zukunft der Alpen und last but not least demografischer Wandel. Es wird diskutiert über Landwirtschaft, die Unterstützung – bzw. eben der Mangel an Unterstützung – für die Bergbauern in den österreichischen und italienischen Alpen, über die Abwanderung der Jugendlichen. Es kommen Fragen auf wie „Was muss ein Alpendorf haben, damit ich dort wohnen will?“. Doch solche Fragen greifen tief, und sie umfassen eigentlich alle vier Gruppen zu einem gewissen Grad. Zum einen Arbeitsplätze, doch auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln soll es erreichbar sein, Schulen haben, Geschäfte und Restaurants. Maggie erzählt von ihrem Dorf: Vor ein paar Jahren habe es noch eine Bäckerei, eine Metzgerei und eine Käserei gehabt, mittlerweile gar nichts mehr. Einkaufen muss sie nun im Grossverteiler im Nachbarsdorf, und an ihn verkaufen auch die Bauernhöfe der Region ihre Produkte, wobei viele nach dies nach eingehen. Jemand anders erzählt, dass in der Schweiz durchschnittlich jeden Tag zwei Betriebe eingehen.
In der Gruppe Klimawandel wird heftig über den Gletscherschwund diskutiert. Eigene Erfahrungen kommen zutage, viele in der Gruppe sind selbst regelmässig auf Gletschern unterwegs. Luisa erzählt die schon fast tragische Geschichte einer Tour, welche sie mit der Wanderkarte ihrer Eltern gemacht hat. Schnell fand sie heraus, dass der Gletscher überhaupt nicht dort anfängt, wo er dies laut Karte tun sollte, sondern mehr als einen Kilometer weiter hinten im Tal. Solche spezifischen Erfahrungen sind enorm spannend und versinnbildlichen auf eine eindrückliche Weise den oft abstrakten und kaum von Auge erkennbaren Begriff des Klimawandels.
Später am Abend gibt uns Harry mit einer PowerPoint Präsentation einen Überblick über den bisherigen Abschnitt der Wanderung im 2017. Er und Dominik teilen teils lustige, teils tragisch anmutende Bilder und Ereignisse mit uns und antworten ausführlich auf unsere Fragen. Es ist sehr interessant zu sehen, was die Beiden bis jetzt gemacht haben, und was anders, und was ähnlich ist wie vor 25 Jahren.
Eine sehr interessante Aussage von Harry ist die, dass viele Regionen ihre Probleme mit kurzfristiger Anpassung bekämpfen (wollen) statt die Ursache der Herausforderung ins Auge zu fassen.
Am nächsten Morgen geht es weiter, Tagesziel ist Vals. Die Wanderung führt uns dankbarerweise grösstenteils durch kühlende Wälder und durch kleinere Weiler. In wild zusammen gemischelten und stets wechselnden kleinen Grüppchen wird auch in den härtesten Anstiegen geredet und erzählt. Die spezifischen Probleme in der Heimat von Matthias aus dem Südtirol haben viele Ähnlichkeiten mit den Sorgen von Delphine aus Grenoble. Solche alpenübergreifende Gemeinsamkeiten sind aber nicht nur bei den Problemen zu sehen, sondern auch in Lösungsvarianten. Ein Journalist des Spiegels begleitet uns für eine Teilstrecke und macht kleinere Interviews mit uns – da fühlt man sich gleich ganz wichtig! Dominik und Harry verlassen uns leider für eine Stunde,- Dominik hat ein einstündiges Live Gespräch im österreichischen Radio! Offenbar sind auch sie ganz wichtig!

Schon bald kommen wir in Vals an, etwas später dann auch Dominik und Harry. Morgen geht es weiter nach Brixen, die Alpenstadt 2018, voller Elan und Ideen!
Der Austausch zwischen den Ansichten und Meinungen unterschiedlicher Altersgruppen ist enorm bereichernd, die 18-jährige Hanna aus Slowenien teilt ihre Erkenntnisse mit dem 57-jährigen Harry aus der Schweiz, und für beide ist dies eine Bereicherung – ein Paradebeispiel für den Austausch zwischen Jung und Alt!

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