Allianz in den Alpen im Queyras – Treffen mit der Gemeinde Abriès am 7. September 2017 in Le Roux

In der Gîte d’Etappe Le Cassu in Le Roux im Queyras treffen wir am Abend auf eine Vertretung der Gemeinde Abriès: Bürgermeister Jacques Bonnardel, Vizebürgermeisterin Christel Francesci, Gemeinderätin Martine Grospellier, Gemeindeschreiberin Benedicte Peyrot und Laeticia Praz, Verantwortliche für zwei Maisons d’Service au Publique in der Region. Auch CIPRA Frankreich – Präsident Jean Horgues ist anwesend und führt durch das Gespräch.
Es ist nicht das erste Mal, dass wir mit Mitgliedern des Gemeinenetzwerks Allianz in den Alpen zusammenkommen. Bereits in Graubünden weilten wir in der Allianzgemeinde Vals, im Wallis besuchten wir Salgesch, Fully und St-Martin. Die Alpen-Allianz wurde 1996 gegründet mit dem Ziel, die Alpenkonvention auf lokaler Ebene umzusetzen. Mittlerweile sind mehrere hundert Gemeinden in Frankreich, Italien, Liechtenstein, Deutschland, Österreich, Slowenien und der Schweiz Mitglied und tauschen ihre Erfahrungen im Bereich der nachhaltigen Entwicklung aus. Der Queyras ist seit 2010 Mitglied des Gemeindenetzwerks und widmet sich seither stark der Zusammenarbeit mit italienischen Gemeinden. Vor drei Jahren lud der Queyras die Mitglieder zur Jahresversammlung des Gemeindenetzwerks Allianz in den Alpen ein. CIPRA France unterstützt den Queyras und weitere französische Gemeinden bei ihrer Mitarbeit in der Alpen-Allianz.
Jacques stellt seine Gemeinde und den Queyras kurz vor. Abriès habe gut 300 Einwohner, der gesamte Queyras mit seinen acht Gemeinden 2700 Einwohner. Die Erwerbsmöglichkeiten seien beschränkt und die Bevölkerungszahl stagniere. Ein grosses Problem stelle der Nachwuchs in der Landwirtschaft dar, da es für Interessierte sehr schwierig sei, einen Landwirtschaftsbetrieb zu erwerben. Wichtige Bedeutung besitze der Regionale Naturpark Queyras, insbesondere auch für den Tourismus und die Qualitätslandwirtschaft. Schade sei allerdings, dass der berühmte Käse im Queyras heute mit Milch von ausserhalb produziert werden müsse, weil sich die lokale Landwirtschaft keine Milchkühe mehr leisten könne. Die Menschen im Queyras fühlten sich hier sehr wohl und schätzten die hohe Lebensqualität. Andererseits leide die Region unter ihrer peripheren Lage, insbesondere auch seit die Randregionen für den französischen Staat immer weniger wichtig sei und sich die Politik vermehrt auf die Städte konzentriere. Die Unabhängigkeit sei dem Queyras aber wichtig, das habe wohl auch mit der Geschichte der Alpenrepublik von Escartons zu tun, zu der der Queyras vor Jahrhunderten gehörte. Doch Unabhängigkeit ohne Geld sei eben schwierig und dieses sei schlicht nicht vorhanden.
Benedicte berichtet über die Zusammenarbeit im Gemeindenetzwerk und über Projekte der Gemeinde und der Region. Sie sieht Regionen wie den Queyras nicht zuletzt als Experimentierfeld für die Möglichkeiten und Chancen von peripheren Alpenregionen, und gerade deshalb ist für sie der Austausch mit anderen Allianz-Gemeinden interessant und gibt der Gemeinde viele neue Anregungen. So seien in Abriès Projekte für die bessere Nutzung der lokalen Ressource Holz entstanden oder man vermittelt italienischen Gemeinden das französische Modell der öffentlichen Dienste. Weitere Kooperationsvorhaben betreffen die Kultur, die Jugend, die Zusammenarbeit der Regionalparke rund um den Monviso sowie die Förderung der Lebensqualität der Bevölkerung. Regelmässige Treffen fänden seit langem mit der Gemeinde Prali im italienischen Val Germanasca statt, wobei der Weg zu Fuss über die Berge fast gleich lang sei wie die Fahrt mit dem Auto unten herum. Damit die Allianz in den Alpen noch wirkungsvoller funktioniere, finde sie es wichtig, die Gemeinden noch mehr für diese gute Idee zu motivieren und zu aktivieren, fügt die engagierte Gemeindeschreiberin an.
Laeticia ist überzeugt, dass der Queyras eine Zukunftsregion ist. Die Natur ist geschützt und es bestehe eine hohe Lebensqualität, besonders auch für Familien mit Kindern. Sie schätzt die kleinen, überschaubaren Strukturen im Queyras, die den BewohnerInnen viel Geborgenheit und Sicherheit vermittelten. Zum Schluss gibt uns der Bürgermeister die Botschaft mit, dass sich die Politik wieder mehr um die Randregionen kümmern solle, sonst wohnten dort bald keine Menschen mehr – und ohne Menschen gebe es keine Alpen.